Die Gleichstromtrasse durch Bayern, Sachsen und Thüringen

 9 Fragen, Fakten und Antworten

1.         Was ist diese „Gleichstromtrasse“, gegen die gerade überall protestiert wird?

Von Sachsen-Anhalt (Bad Lauchstädt) quer durch Bayern (bis nach Meitingen) plant die Bundesregierung per Gesetz eine 450 km lange Gleichstromleitung, die mit einer neuen Übertragungstechnik (HGÜ-Technik) weit entfernt produzierten Strom nach Bayern leiten soll. Es ist ein bisher in Deutschland nicht erprobtes Pilotprojekt mit Gleichstromleitungen. Die Kosten betragen ca. 1 Milliarde Euro. Weitere Informationen www.betzenstein.de

2.         Aber wir brauchen doch Strom!

Zahlreiche Wissenschaftler haben bereits nachgewiesen, dass auch nach Abschalten der Atomkraftwerke 2022 in Bayern genügend Strom produziert werden kann. Beispielsweise der Landkreis Neumarkt deckt bereits jetzt über 60% seines Energiebedarfes dezentral aus regenerativen Energiequellen vor Ort. Die großen Stromkonzerne profitieren jedoch nicht von diesem dezentral erzeugten Strom. Und die Bundesregierung hat den Betreibern der Trasse eine Rendite von 9% garantiert! Es geht beim Bau der Trasse primär um die Gewinne der Großkonzerne der deutschen Stromindustrie. Weitere Informationen: www.kritisches-netzwerk.de/forum/das-komplott-suedlink-die-neue-stromtrasse

3.         Es heißt doch, dass mit dieser Stromtrasse saubere Windenergie aus dem Norden nach Bayern geleitet werden soll – wieso wird sie dann Braunkohletrasse genannt?

Die Trasse beginnt in Sachsen-Anhalt. 2020 soll in Profen (bei Bad Lauchstädt) ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen. Vermutlich wird diese Trasse genutzt, um Braunkohlestrom aus Ostdeutschland zu transportieren. Aber nicht nur nach Bayern. Im Koalitionsvertrag der Regierung steht (S. 58): „Wir wollen die Integration der europäischen Stromversorgung durch den Ausbau der grenzüberschreitenden Höchstspannungsleitungen und der Grenzkuppelstellen auf der Grundlage der EU-Verordnung über die transeuropäische Energieinfrastruktur (TEN-E) vorantreiben." Also eine Stromautobahn durch Europa. Ein Milliardengeschäft für die oben genannten großen Stromkonzerne. http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geplanter_Kohlekraftwerke_in_Deutschland

4.         Ist es denn nicht egal, wo unser Strom herkommt?

Russland plant den Bau neuer Atomkraftwerke und will diesen Atomstrom auch nach Deutschland verkaufen. Stromexport ist extrem lukrativ! Für die Sicherheit russischer Atomreaktoren kann niemand garantieren. Eine Reaktorkatastrophe wie im russischen Tschernobyl, darf sich nicht wiederholen! Braunkohlestrom ist extrem klimabelastend. Dadurch wird der CO2-Ausstoss in Deutschland massiv erhöht und der Treibhauseffekt weiter verschlimmert. Mehr unter: www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/energiemarkt-russischer-stromexporteur-lockt-mit-atomstrom/5798730.html

5.         Und was sind die Alternativen, wo soll der Strom denn dann herkommen?

Die Alternative ist dezentral (also in der Region) erzeugter Strom mit einem gesunden Mix aus Photovoltaik, Windkraft, Biomasse, Biogas, der nicht quer durch Deutschland oder Europa transportiert wird. Die Wirtschaftsförderung bleibt somit im eigenen Bundesland. Anstelle über 1 Milliarde für den Bau der Trasse und Subventionen für Atom- und Braunkohlestrom zu investieren, müssen Fördergelder in die Entwicklung neuer regenerativer Energiegewinnungsformen und Speicheranlagen fließen. Das würde auch die deutsche Wirtschaft für die Zukunft enorm fördern. Mehr unter: www.erneuerbareenergien.de/5-gruende-fuer-eine-dezentrale-energieversorgung/150/490/76116/

6.         Ganz bei mir in der Nähe gibt es doch auch Stromleitungen, dass stört doch nicht!

Die geplanten HGÜ Leitungen haben eine bisher nicht gekannte, unvorstellbare Mächtigkeit. Bisherige Strommasten sind ca. 30 m hoch und 10 m breit. Die Masten der Gleichstromtrasse sollen mind. 75 m hoch und 40 m breit sein! Somit überragen die Masten Wälder, Kirchen und Häuser um mehr als 30 Meter. Ihr Fuß soll ca. 30x30 m groß sein, mehr als die Hälfte eines Fußballfeldes – alle 300 Meter! Ein solcher Strommast wirkt optisch extrem massiv und bedrohlich, daher der Name „Monstertrasse“. Wälder müssten für die Trasse in einer Breite von mehr als 100 m gerodet werden, das ist eine unvorstellbare Landschafts-zerstörung. Die Folgen im ländlichen Raum: Einbrüche im Tourismus, Ausbluten der Dörfer und große Umweltzerstörung – mit allen negativen Folgen für die bayerische Wirtschaft. Traditionelle Ausflugsziele wie das Fichtelgebirge, der Frankenwald und die Fränkische Schweiz sind stark betroffen!

Es gibt keinerlei Studien der Bundesregierung, die die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Gleichstromtechnik klarlegt. Kritische Studien gehen von möglichen Gesundheitsschäden ab 0,2 Mikrotesla aus. Dieser Wert kann noch in 70 m Abstand zu einer Gleichstromtrasse erreicht werden. In Deutschland gilt ein Grenzwert von 100 Mikrotesla! Gleichstromleitungen produzieren Luftionen, die in Verdacht stehen, das Lungenkrebsrisiko im Abstand bis zu 1,5 km der Trasse zu erhöhen! Die deutsche Bundesregierung hat darauf verzichtet, Mindestabstände zu Häusern für diese Trasse vorzuschreiben. Mehr unter www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/technischer_umweltschutz/20120126_hintergrund_elektromagnetische_felder.pdf

7.         Die Leitung läuft nicht bei mir im Ort vorbei – da bin ich ja dann nicht betroffen!

Doch. Das EEG (erneuerbare Energiegesetz) bremst die klimafreundlichen erneuerbaren Energien und fördert paradoxerweise scheinbar billigeren Atom- und Braunkohlestrom – mit unabsehbaren negativen Klimaauswirkungen für alle Bürger Deutschlands. Die Kosten für diese neuen Stromtrassen treffen alle Bürger. Die Bundesregierung plant 24 weitere Trassen deutschlandweit -die nächste Trasse kann genau vor Ihrer Haustür entlang laufen. Zudem ist die Trassenführung noch überhaupt nicht klar – der Betreiber Amprion hat neue Varianten an der A9 vorgeschlagen, die auch Lauf und Nürnberg betreffen.

8.         Wir der Strom dadurch teurer?

Nicht durch den Verzicht auf die Trasse – sondern durch ein Energiewendegesetz, das die Bürger belastet. Der Protest gegen die Trasse richtet sich auch gegen die einseitige Förderung der Profitgier von Strom-Großkonzernen auf dem Rücken der Bürger und die Verflechtung der Bundesregierung mit diesen Konzernen durch Lobbyismus. Die monopolistischen Großkonzerne können die Strompreise erhöhen, um ihre Gewinne zu steigern. Billig erzeugter Atom- und Braunkohlestrom ist mittelfristig deutlich teurer, da alle Bürger die Kosten für die Klimaveränderung tragen müssen. Und jeder von uns kann ohne große Einschränkungen etwas tun, um seine Stromrechnung zu senken: www.greenpeace-energy.de/data/dateien_download/hintergrund/44_Tipps_zum_Stromsparen.pdf

9.         Jetzt kann ich verstehen, warum gegen die Gleichstromtrasse protestiert wird!

Dann freuen wir uns, wenn Sie mitmachen. Unterschreiben Sie gegen diese Trasse, unterstützen Sie online-Petitionen und Massenbriefaktionen, nehmen sie an Veranstaltungen und Demonstrationen teil und üben Sie mit uns Druck auf die Politik aus - der Bundestag kann diese unsinnigen Gesetze wieder ändern! Informieren Sie sich weiter, z. B. über www.betzenstein.de www.stromautobahn.de www.bürger-gegen-strommonstertrasse.de

 

 

www.höchst-spannend.de

 

Fragen und Antworten von den beiden Informationsveranstaltungen von Amprion in Kulmbach und Nürnberg

 

Ist die Stromtrasse überhaupt notwendig?

Von den 4 deutschen Netzbetreibern Amprion GmbH, TransnetBW GmbH, TenneT TSO GmbH und 50Hertz Transmission GmbH wird der Netzentwicklungsplan (NEP) erstellt und bei der Bundesnetzagentur eingereicht.
Die Bundesnetzagentur prüft bzw. lässt den Plan prüfen.
Wenn auch die Bundesnetzagentur die Notwendigkeit einer neuen Stromtrasse sieht, wird er genehmigt.
Nähere und konkretere Aussagen (von wem wurde geprüft, wie sieht die konkrete Notwendigkeit aus) wurden trotz Nachfragen von der Vertreterin der Bundesnetzagentur nicht gemacht.

 

Warum wird die Trasse nicht ganz oder zumindest teilweise erdverkabelt?

Im Gesetz ist die Gleichstromtrasse Süd-Ost als reine Freileitungstrasse verabschiedet worden. Auch im Bundesrat wurde darüber ausführlich diskutiert. Offensichtlich hat sich auch Bayern gegen eine Erdverkabelung ausgesprochen (ein Vertreter des bayr. Wirtschaftsministerium hat trotz klarer Fragestellung nur ausweichend geantwortet).
Bei 4 anderen Stromtrassen von Amprion (z.B. Wesel-Meppen) hat der Gesetzgeber eine teilweise Erdverkabelung zugelassen. Wenn die Entfernung unter 400m zu geschlossenen Ortschaften oder unter 200m zu einzeln stehenden Wohngebäuden liegen würde, wird die Leitung in der Erde verlegt.
Es bestehen keine technischen Probleme, die Gleichstromleitung in der Erde zu verlegen.

 

Um wie viel teuerer ist die Erdleitung gegenüber einer Freileitung?

Weil gesetzlich eine Erdleitung nicht zulässig ist, hat man dies nicht näher untersucht.

 

Wie groß ist der Mindestabstand zur Wohnbebauung?

Es gibt keine gesetzliche Grundlage für einen Mindestabstand. Die Leitungen werden aber nicht direkt über die Häuser verlaufen (welch ein Entgegenkommen!).

 

Wie hoch sind die Masten?

Zwischen ca. 60 und 80 Meter

 

Wie weit stehen die Masten auseinander?

Zwischen 300 und 450 Metern

 

Mit welcher Spannung wird die Leitung betrieben?

Mit 500000 Volt (500 kV) Gleichstrom gegenüber Erdpotential.
Leitung wird auch als HGÜ bezeichnet (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung)
Die Leitung wird im 3-Leitungssystem gebaut.
An den Masten hängen einzelne (oder mehrere) Leitungen mit +500 kV, einzelne (oder mehrere) Leitungen mit – 500 kV und einzelne (oder mehrere) mit 0 Volt.

Normalerweise fließt der Strom in den Leitungen mir +- 500 kV.

 

Bei Reparatur- oder Wartungsarbeiten fließt der Strom über die 0V-Leitung mit max. halber Leistung.
Die Leitung ist für eine Übertragungsleistung von 2000 MW (=2 GW) ausgelegt.

(auf der Amprion Internetseite ist bei allen Wechselspannungsleitungen die Nennspannung –meist 380 kV – angegeben. Bei den Gleichstromtrassen ist weder die Spannung noch die Leistung angegeben. Die Frage, ob auf den gleichen Masten neben dem Gleichstrom auch noch Wechselstrom übertragen wird, ist nicht klar beantwortet worden.